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Umtauschartikel: Tier

  • Autorenbild: Jenny Atzert
    Jenny Atzert
  • 2. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Wir als Tierschutzverein mit unseren wenigen Pflegestellen für Hunde und Katzen, investieren unendlich viel Herzblut, Zeit und Energie in jedes einzelne Tier, das wir in ein neues Zuhause vermitteln. Vom ersten Kennenlernen über Beratungsgespräche bis hin zur Begleitung in den ersten Wochen der Adoption stehen wir den neuen Haltern mit Rat und Tat zur Seite: wir geben Trainingshinweise, teilen Erfahrungswerte, hören zu, beruhigen, motivieren – oft rund um die Uhr und neben Job, Familie und Privatleben. Alles kostenlos.

Und trotzdem passiert es immer wieder: Ein Hund, eine Katze, die vor kurzem voller Hoffnung in ihr „Für-immer-Zuhause“ gezogen ist, wird plötzlich wieder zurückgebracht. Nicht, weil die Adoptanten allein gelassen wurden. Nicht, weil keine Unterstützung da gewesen wäre. Sondern weil das Tier nicht dem Bild entspricht, das sich die Menschen im Kopf gemalt hatten. Weil es nicht sofort „funktioniert“.

Viele erwarten, dass ein Tier sich nahtlos in den Alltag einfügt – ohne Angst, ohne Unsicherheiten, ohne Fehlverhalten. Doch Tiere bringen häufig eine Vergangenheit mit und haben mindestens ihren eigenen, individuellen Charakter. Manche brauchen Zeit, manche professionelle Hilfe, manche Geduld und Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen. Genau an dieser Stelle klafft leider oft eine Lücke zwischen Wunschvorstellung und Realität.

Ein Tier ist kein Produkt, das man umtauscht, wenn es nicht den Erwartungen entspricht. Es ist ein fühlendes Lebewesen, das Bindung aufbaut, Vertrauen schenkt und gleichzeitig Schutz und Verständnis braucht. Jede Rückgabe reißt dieses fragile Vertrauen erneut ein – und belastet sowohl das Tier als auch die Menschen, die sich im Tierschutz dafür einsetzen, jedem Tier eine echte Chance zu geben.

Was es braucht, sind Adoptanten, die bereit sind, gemeinsam Lösungen zu suchen, statt sofort das Handtuch zu werfen. Menschen, die erkennen, dass Entwicklung Zeit kostet und dass Hilfe anzunehmen kein Scheitern bedeutet, sondern Verantwortung. Denn nur, wenn man den Weg mit dem Tier geht – auch wenn er schwieriger ist als erwartet –, kann aus einer Vermittlung wirklich eine erfolgreiche, lebenslange Verbindung werden.




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